Wie alles begann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Vorsicht, das Kykladenfieber kann sehr ansteckend sein.

In langen Jahren des Reisens durch fast alle europäische mediterrane Länder hatte ich eigentlich nie das gefunden,

was ich gesucht und erst auf den Kykladen für mich entdeckt habe.

Diese Mischung aus weißen Kubenhäusern, dem klaren Licht

mit dem wie leergefegten blauen Himmel, dem kristallklaren Wasser der Ägäis, der Gelassenheit der Griechen, die kein Geschenk der Gene sondern hart erarbeitet ist in jahrzehntelanger Knechterei, der Kargheit und Klarheit der Landschaft und dem internationalen jungen Reisepublikum,

von Junghippies bis zu den Altgebliebenen – oder umgekehrt, das macht es wohl aus - das Kykladenfieber, das mich jedes Jahr wieder packt.

Als Jugendlicher auf den warmen Holzplanken der Miaoulis

oder Marianna liegend, in einem Pulk von Schlafsäcken und Gleichgesinnten in den Himmel schauend, blinzelnd ob die Masten der alten Schiffe im Frühling wirklich noch einmal Knospen treiben – so wie Kazantzakis es beschrieben hat -

und Kontakte knüpfend, das kam schon meinem Idealbild

vom Urlaub ziemlich nahe.

Neugierig durch die weißen Gassen von Paros laufend,

angelockt von Pianoklängen des Keith Jarrett Köln Concerts,

das aus dem Innern meiner Traumhäuser schwebte und einen ganz bestimmten Zauber auf die Szene legte. Das war es, das Kykladenfeeling, das ich oft in meinen Träumen erahnt hatte und das nun Wirklichkeit wurde.

Dabei immer weiter die Grenzen auslotend, immer kleinere Inseln und Dörfer entdeckend, den Horizont erweiternd.

Mit den Fischern im Hafen um die Wette saufend, den raubeinigen Gesellen, die es aber nur auf die Mädels abgesehen hatten, der kürzeste Blickkontakt brachte Ouzo, Metaxa und Kourtaki - hin und her – bis eine(r) aufgab.

Und immer wieder die Abgrenzung zu jenen Landsleuten, die griechischer als die Griechen sein wollten, sich mit uns normalen Touristen nicht abgeben wollten, Arroganz pur.

Obwohl, ich hatte keine Ahnung, es hat schon etwas gedauert, bis ich begriff, warum die Griechen vor ihren Hunden stehend „Katze, katze“ riefen, als wollten sie sie umerziehen.

Heute einfach als ganz normaler Tourist reisend, das größte Kompliment genießend, wenn die Griechen mit zwei Fingern ihrer Hand erst auf ihre Augen und dann auf mich deuten, versonnen auf den Boden blickend und am Kopf kratzend:

„Ja, ich hab dich hier schon mal gesehen, das ist lange her.“

Denn Namen können sie sich kaum merken, es sind einfach

zu viele unaussprechliche Touristen in einem Land, in dem

die Männer Jorgos, Jannis oder Kostas heißen.

Und das ist das Geheimnis: die immer neue Wiederholung.

Nicht in fünf Tagen lernst du sie kennen, sondern in zehn mal fünf. Nicht die Anzahl der besuchten Inseln zählt, sondern die Intensität. Sie kommt nur mit der Zeit. Ganz automatisch.

Als ich nach Jahren den alten Lehrer Herrn Troullos auf Sífnos

in Apollonía besuchte, um mal wieder in seiner „Villa Troullos“ zu übernachten (dort, wo ich zum ersten Mal einen Skorpion unter dem Bett fand), fragte er ganz perplex:

„Wo bist du denn gewesen, in der Zwischenzeit, warst du

ein paar Tage im Hafen?“

Ich log einfach „Ja.“

„Die Ägäis zu bereisen im Frühling…, ich habe mir das Paradies nie anders vorstellen können.“ (Nikos Kazantzakis)


 

 

Kykladenträume