Für Janis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Es ist das Leben, das uns umhaut.

Und gerade jetzt hat die Griechenlandkrise voll zugeschlagen.
Doch sie findet nicht nur in Griechenland statt, sondern auch 
im Kopf bei uns.

Nach vier Wochen griechischer Gastfreundschaft, Landschaft und des Erlebens der griechischen Mentalität wird klar: hier hat sich nichts, aber auch gar nichts verändert.

Wir lassen unsere Reise wie so oft auf Naxos ausklingen, inmitten des Hinterlandes der Strände von Kastraki, Glyfada, Pyrgaki, in der Weite der fruchtbaren Landschaft.

Die Tage sind heiß, zu heiß zum Sonnenbaden. Wir erkunden die Tragea Hochebene, unzählige byzantische Kapellen wie Drosiani, Damiotissa, Apostoli, und landen doch später am Strand und im Meer.  
 

 

 

 

 

 

Die Abkühlung tut gut, die Nacht ist seidenweich, endet wie so oft auf der Terrasse. Die Ruhe haut uns um. Ein paar Grillen zirpen, ein paar Frösche quaken. Die Kartoffelbauern haben für heute ihre Ernte beendet. Stille.

Etwas entfernt in der Weite des Hinterlandes tönt eine griechische Feier zu uns herüber, erst ein paar Tonfetzen, dann immer mehr. Etwas griechische Folklore, weit entfernt. Wir schauen in den naxiotischen Nachthimmel, sternenklar, und lauschen den Klängen aus der Nachbarschaft.
Wie gut das passt!

Der Himmel wölbt sich nicht über uns, er saugt uns auf, wir werden ein Teil vom griechischen Kosmos, er umhüllt uns ganz mit der Musik, es ist Livemusik.

Ein Mann singt sich die Seele aus dem Leib, begleitet von der Klarinette, singt von der  Kargheit der Insel, der Mühsal und der Schwere der Arbeit, dem Überlebenskampf in dieser harten Welt.

Aber gleichzeitig auch von der Freude, der Lebensfreude und dem Glück, dem Empfinden der Lebendigkeit und des Daseins. Der Verbundenheit von Liebe und Leid. Voller Dankbarkeit, Stolz und Zerrissenheit. So, wie nur die Griechen das können, voller Gefühl.

Ohne Gedanken an Morgen und Gestern, ganz im Hier und Jetzt.

Wir stellen uns vor und hören, wie die Teller oder Flaschen auf dem Boden zerdeppert werden, je mehr desto besser, keine Rücksicht auf Verluste,  wir haben es schon oft miterlebt.

Was kümmert uns das Morgen? Heute Nacht ist die Einzige die zählt.  Sonst haben wir keine. Jetzt oder nie, was kostet die Welt?

Ein leichtes Gefühl des Glücks durchströmt uns und wir wissen:  wir werden die griechische Seele nie erreichen, wohl aber verstehen.

     

 

 

    

Kykladenträume