Schinoussa - update, Mai 2014

 

 

 

Ja, sie sitzt immer noch auf der Hauptgasse vor ihrem Laden,

die alte Dame, und sie lässt sich auch gerne dort fotografieren, wenn man höflich fragt. Ein wenig eitel ist sie schon. Das Gesicht Schinoussas. An ihr kommt jeder einmal vorbei, sie ist immer für ein Schwätzchen gut.

 

 

Wir gehen heute hinunter nach Mersini, wollen uns

einmal die Agios Nikolaios Kirche ansehen, die uns immer

bei der Einfahrt in den Hafen begrüßt.

 

Der gepflasterte Treppenweg, der die Serpentinenstraße vom Dorf in den Hafen abkürzt, ist nun endgültig fertig geworden, ist beleuchtet, ja er führt sogar hinter der Mersini-Taverne an den Felsen entlang und endet direkt auf der Hafenmole neben Nicos Fischtaverne, die leider Ende Mai noch nicht geöffnet ist.

 

 

 

Wir verlassen den Hafen auf der anderen Seite und gehen
den Weg am Strand und an dem kleinen Amphitheater entlang

über die Landzunge.

 

 

 

Es ist ein sehr schöner Spazierweg, Wanderung kann man

es kaum nennen, wir halten uns oben dann links und sehen

bald schon die Kapelle, im Hintergrund liegt Irakliá.

 

 

Die ersten Segler steuern schon den sicheren Hafen mit

Motorkraft an, der Gegenwind bläst kräftig.

 

 

Ein paar Schafe flüchten aus ihrem sicheren Versteck, als wir

die Landzunge hinunter gehen, erst jetzt entdecke ich die

Griechenlandfahne an der Küste.

 

 

Die Kirche scheint frisch renoviert zu sein, die Tür ist leider verschlossen, ein ruhiger Ort.

Das ändert sich offenbar jährlich am 6. Dezember,

am Namenstag des hl. Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und Skopelitisse. Dann wird hier gefeiert.

 

 

Natürlich ist die Nikolauskapelle nicht das einzige Ziel, das

man auf seinen ausgedehnten Inselstreifzügen ansteuern kann.

Wir verlassen diesen beschaulichen Ort und wenden uns dieses

Mal der Straße Richtung Messariá zu, vorbei am Bäcker, der auch Zimmer vermietet, der aber seinen Backofen noch nicht angeheizt

hat. Das Brot im Supermarkt kommt zur Zeit noch aus Naxos

oder Amorgós, wobei das Brot aus Naxos bei den Einheimischen

beliebter ist, sie stehen schon dafür Schlange, wenn die Skopelitis einläuft.

Mir gefällt das Brot aus Amorgós aber besser, es ist etwas kräftiger.

 

 

Die beiden Kettenhunde auf dem benachbarten Bauhof sind

zum Glück nicht mehr da, die Hundehütten verwaist.

Wir laufen weiter zur Tankstelle, die inzwischen eine neue

Überdachung bekommen hat, der Betreiber hat wohl gewechselt.

 

 

Spritpreise sind nicht ersichtlich. Dafür aber ein handgemaltes

Öffnungszeitenschild:

Dienstags und Donnerstags von 16 bis 18 Uhr,

und Sonntags von 11 bis 13 Uhr.

Naja, viel Verkehr ist hier ja nicht.

 

Kurz hinter der Tankstelle verlassen wir die Straße, gehen links

in einen Feldweg, dort bei dem Braunen, und laufen an der Photovoltaikanlage und einigen Pferden vorbei auf den höchsten

Punkt Schinoussas zu, Richtung Mühle.

 

 

 

 

 

 

 

Hier sind wir auf dem Vardies zwar nicht so hoch wie auf dem Kölner Dom, und es gibt auch kein Gipfelbuch, aber für eine
Gipfel-SMS, die
sich schon zeremoniell eingeschlichen hat,
reicht es allemal, bei 134 m Höhe (obwohl,
Google earth zeigt nicht mehr als 121 m an).

Und die Antwort von Katharina kommt prompt. Sie ist halt

Höheres gewohnt.

 

 

Jedenfalls haben wir hier eine wunderbare Aussicht auf Paros, Naxos, die kleinen Ostkykladen bis nach Amorgós.

 

 

 

Die Mühle selbst ist noch relativ gut erhalten, sie trägt die Inschrift 1487 in der Tür - das war fünf Jahre vor der Entdeckung Amerikas!

Und vielleicht ein Zeichen dafür, dass Schinoussa zur Zeit des Osmanischen Reichs doch bewohnt war.

 

 

 

 

 

 

Vorsichtig steige ich die Steinstufen hoch zum oberen Mühlstein.

Sogar Reste des Mühlrads sind noch erhalten.

 

 

 

 

Hier oben pfeift - wen wundert´s? - dann doch schon ein ganz

heftiges Lüftchen.

 

Wir steigen wieder hinunter und wenden uns dem dritten
"Wanderziel" zu, der Fikío Bucht.

Der Weg führt links an Messariá vorbei (man kann auch

von der Psili Ammos Bucht links am Meer entlang laufen),

und wir genießen die landschaftliche Schönheit dieser kleinen Insel, mit Blick zurück zum Mühlenberg.

 

 

 

 

 

Das Getreide ist hier Ende Mai schon abgeerntet, eigentlich
zu früh für diese Jahreszeit.

Der Fikío Strand ist schnell erreicht, ein kühles Bad der Lohn

der anstrengenden "Wanderung". Es mag komisch klingen,

aber mir reicht dieses Pensum des Wanderns am Anfang des Urlaubs aus, um die Kondition aufzubauen.

 

 

Natürlich sind die Strände auf Schinoussa nicht mit denen auf

Koufonissi zu vergleichen, und wer einen reinen Badeurlaub

genießen will, der ist auf der Nachbarinsel sicherlich besser

aufgehoben, zumal man hier am Fikío auch schon mal Badeschuhe gebrauchen könnte. Aber für ein erfrischendes (Sonnen-) Bad reicht es allemal.

 

 

Und so freuen wir uns auf das Dorf im Abendlicht, die alte Dame vor dem Kafenion to Kentro, und suchen uns eine Taverne für das Abendessen aus.

 

 

 

 

Während noch die letzten Satellitenschüsseln für die Fußballweltmeisterschaft und für die zu erwartenden deutschen Gäste aus Köln und Umgebung gerichtet werden, entscheiden wir uns heute für die Ouzeri tis Nikoletas, die gleich neben Irinis Supermarkt an der Hauptgasse liegt.

 

 

 

 

 

Hier sind wir die einzigen Gäste, was aber einer gewissen Wartezeit für die Zubereitung unserer Speisen keinen Abbruch tut.

Die Hinterhofatmosphäre hat was. Wenn man sich alle Tische besetzt vorstellt, wird es richtig gemütlich werden.

 

Wie man aber beim Shrimps-Saganaki die ungeschälten Tiere in ihrer Tomatensauce ohne Unfall enthäuten soll, bleibt mir ein Rätsel. Da ist der Kebab-Teller schon einfacher zu handhaben.

 

 

 

 

Oder wir laufen abends doch noch einmal zum Hafen hinunter,

und lassen es uns im Mersini bei Kosta gut gehen.

Hier kommen die Spinatküchlein zwar aus der Fritteuse,

aber lecker sind sie dennoch.

 

 

 

Tzatziki und Choriatiki - alles frisch.

 

Und wenn dann auch noch der Himmel über dem Hafen brennt, was will man mehr?

 

 

 

So vergehen die Tage wie im Fluge.

Eine Woche ist schnell vorbei, auch trotz - oder wegen eines Schlechtwettertages. Dauerregen, ganz ungewöhnlich für Ende Mai. Der Abendhimmel hatte ihn angekündigt.

 

 

 

Dennoch fällt uns der Abschied schwer.

Und auf dieser kleinen Insel gestaltet sich selbst der Abreisetag

gemütlich. Wir schauen beim Warten auf die Fähre den Fischern beim Netze flicken zu, so langsam kommen die Autos der Pensionswirte nacheinander vorgefahren.

Gut, Grispos fehlt noch, er ist immer der Letzte.

 

 

 

Und schon ist die Skopelitis in Sicht, die uns nach Naxos bringt.

 

 

 

Sogar Prominenz ist mit an Bord.

Zwischen den Lieferwagen an Deck sehe ich plötzlich den Abt des Klosters Panagia Chozoviotissa von Amorgós, Spiridonis, der sich gerade von einer anderen Touristin ablichten lässt.  

Ich grüße ihn freundlich und glaube, er hat mich sogar wieder erkannt. Oft habe ich meine Zeit unterhalb des Klosters verbracht.

 

 

 

 

So macht das Reisen richtig Freude.

Von Naxos soll es dann heute noch weitergehen, über Santorini nach Anafi. Bin gespannt.

 

 

 

 

Santorini - Juni 2014, "Nǐn hǎo"