Schinoussa - Inselcheck 2015

 

 

Was schreibt man, wenn man schon x-Mal auf Schinoussa war, jeden Stein, Mann, Maus und Katz aus dem ff kennt, aber dennoch das Internet voll machen will?

 

 

Gut, man konzentriert sich auf die Unterschiede zum letzten Jahr und holt noch die allerletzten Locations hervor, die man bis jetzt vernachlässigt hat. Dazu bräuchte man dann nur noch einen spannenden Titel, so wie „Jetzt neu: der irre Schinoussa Check“

Oder „Trauminsel Schinoussa – das letzte Paradies“.  

Das wäre wirklich das Letzte. Wir sind ja hier nicht beim Boulevard. 

 

Also besinne ich mich auf das Wesentliche.

 

Von Ios mit dem neuen TeraJet über Naxos kommend war es nicht ganz leicht, die Skopelitis nach Schinoussa zu erreichen. Denn der TeraJet hatte gut 1 Stunde 40 Min. Verspätung und legte erst ziemlich spät in Naxos an, genau um 14:00 h, also genau zur Abfahrtzeit unserer Anschlussfähre.

Zum Glück hatten wir schon Kontakt zu Freunden aufgenommen, die von Naxos aus ebenfalls mit der Skopi fahren wollten, sie hatten uns schon die Tickets besorgt, so dass ein Umsteigen in Naxos möglichst schnell gehen konnte. Nochmals vielen Dank, Schalimara!

 

Etwas forsch drängelten wir uns dann auch beim Ausstieg in die vorderste Linie vor, und ich spurtete so schnell wie möglich, nachdem die Absperrkette fiel,  mit meinem Gepäck Richtung Skopelitis-Anleger, gefolgt von noch einigen weiteren möglichen Skopi-Passagieren.

 

Die Phalanx der Rooms-Anbieter am Ende des Anlegers war noch eine kleine Hürde, die es zu überwinden galt. Ihre aufdringlichen „Rooms, rooms, Mister, at the beach“ - Rufe erwiderte ich lautstark mit einem kräftigen „Ochi, Skopelits!!!“, was mir einen ungläubigen Chorgesang von „Ohh, Ahhh, hurry up, it´s leaving 2 o 'clock“ einbrachte. Den kleinen alten Mann mit seinem untermotorisierten Dreirad, der daneben auf einem kleinen Schild seine Tranferdienste zur Skopelitis anbot, übersah ich beflissentlich. Das wäre rein zeitlich in die Hose gegangen. Also Rollenkofferlauf.

 

In allerletzter Sekunde hat es dann doch noch geklappt. Mit einem freundlichen „Wo bleibt ihr denn? Wir haben Blut und Wasser geschwitzt!“ und einem nochmaligen Anlegen der Skopi, um auch den allerletzten Passagier aufzunehmen, der ja noch ein Ticket kaufen musste, ging es los. Obwohl, einige sind auch mit uns, aber ohne Tickets an Bord gesprungen, der Mannschaft war´s offenbar egal. Nur schnell weg hier.

 

 

 

 

 

Am Stopp auf Iraklia war Anfang Juni doch schon Betrieb, auch unsere Freunde gingen von Bord, versorgt mit meinem MM-Reiseführer inkl. aller Iraklia-Tipps, den ich zum Glück dann nicht mehr mitschleppen musste. Ich hatte ihn ja nur wegen der paar Seiten Ios mit. Vielleicht sollte man doch mal über ein E-Book nachdenken.

 

 

Auf Schinoussa sind wir wieder in unserer bewährten Unterkunft, diesmal sogar einen Stock höher gerutscht, der Raum etwas größer, schicker, Hochzeitssuite, die Aussicht noch schöner.

Das bekloppte Pagoden-Mückennetz haben wir zum Glück nicht gebraucht, keine Mückenplage auf Schinoussa. 

 

 

Erstaunlich, was es in so einer Bucht immer wieder zu beobachten gibt, diverse Boote...

 

 

 

...und auch einige Sportler kraulen sich offenbar noch von Insel zu Insel.

 

 

 

Der Gang hoch ins Dorf ist dann weniger beschaulich, hier sind wir in der Realität angekommen, der Weg von Bauschutt gesäumt – die negativen Auswirkungen des allgemeinen Baubooms auf den kleinen Kykladen, der trotz Krise wieder aufflammt.

 

Im Ort selbst hat sich nicht viel verändert, das Café Peri ist jetzt ganz in Weiß, die alte Dame vor dem Café To Kentro sitzt nach wie vor in Stellung, aber der Rücken! Die Beine! Tja, das Alter…   Sie ist immer gut drauf und immer für ein Schwätzchen zu haben.

 

 

 

 

Das To Kentro hat leider noch geschlossen, und so genießen wir nach tagelanger Grillküche auf Ios unsere erste Fischsuppe im Meltemi, einfach köstlich, und die preiswerteste Art, auf den Kykladen guten Fisch zu bekommen.

 

 

 

Auch an den nächstenTagen spielt das Wetter noch nicht so richtig mit, die typischen blau-weißen Kykladenfotos sind noch nicht möglich, aber die Landschaft lädt zu Spaziergängen ein, wir beobachten die Bauern bei der Fava-Ernte, mit der Sense per Hand, das Dreschen mit uralten Maschinen, bis zum Verlesen und Verkauf im Supermarkt KOVAIOS. Ja, auch die alte Dame und Hüterin der ausgestopften Krokodile freut sich, uns wieder zu sehen.  

 

 

 

 

 

 

Um Anatoli haben wir bis jetzt immer einen Bogen gemacht, zu abgelegen und mit Pool, uninteressant, aber einen Gang mal wert.

 

 

 

 

Almiros und Fountana Beach haben es im Wind mit ihrer Nordlage auch nicht leicht, und der Eingang zu der Anlage lässt auf keinen wirklich freundlichen Empfang schließen.

 

Trotzdem, wenn man von Fountana die Küste zum Almira abklappert, kommt man an der Anlage vorbei, der Pool wirkt etwas unwirklich in dieser verlassenen Gegend, und die Zimmer sind darunter angeordnet. Man muss es mögen.

 

 

 

 

Etwas lebendiger sieht es dann doch vor unserer Haustür aus, die neugierigen jungen Ziegen kommen jedes Mal an den Zaun gesprungen wenn wir vorbei gehen.  

 

 

Sie gehören dem Bauern, der immer mit seinem Muli durchs Dorf reitet, und der uns dann auch verrät, das die Zicklein leider nur wenige Wochen zu leben haben, um dann in den Kochtöpfen des Restaurants „Ta 8 Adelfia“, „Die 8 Geschwister“ zu landen, das mit dem Hinweis auf „lokales Fleisch“ wirbt.  

 

 

 

Es ist das Restaurant auf dem Dach von Eirinis Supermarkt, und auf der Theke ist auch das Foto der gesamten Familie mit den acht Kindern ausgestellt, die im Service tätig sind. Jedoch nicht alle 8 auf einmal.

 

 

 

Die Speisen sind gut und deftig, allerdings probieren wir nicht die Zicklein, das könnte ich jetzt nicht übers Herz bringen. Aber das Kaninchen-Stifado ist auch nicht schlecht. Nur bei der Moussaka  erkennen wir noch Verbesserungspotential.  

 

 

 

 

So langsam kommt am nächsten Tag die Sonne durch und wir finden unser geliebtes Blau-Weiß.

 

 

 

 

 

 

 

Es ist sogar Badewetter, und so machen wir uns auf zum Gerolimionas Beach, den uns am Vortag schon einige Wanderer aus Soest empfohlen haben. Er sei sehr schön, aber auch sehr verschmutzt. Stimmt, schönen Gruß nach Soest nochmal! Trotzdem, wenn man ihn geschickt ins Bild setzt, ein Traumstrand, der zum Baden einlädt.

 

 

 

 

Dennoch, für einen richtig schönen Badetag gehen wir dann doch zurück an einigen Rindviechern vorbei zum Psili Ammos Strand, der seinem Namen heute alle Ehre macht. Denn das ist das Schöne an der Insel, obwohl sie so klein ist, gibt es etliche Strände zur Auswahl.

 

 

 

 

 

Zum Sundowner ist dann im Ort - auch „zur Freude“ der Einheimischen – das dieses Jahr wieder früh eröffnete Kafenion  

„I Chará“ sehr beliebt - gegenüber vom Geldautomaten.  

Hier trifft sich abends die Inseljugend. 

 

 

 

 

 

 

Natürlich statten wir auch der Taverne Nicolas am Hafen in den nächsten Tagen einen Besuch ab, sind aber doch erstaunt über die Anzahl und Qualität der Segel- und Luxusyachten, die hier vor Anker liegen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Da werden die letzten kleinen Fischerboote wohl bald von der Bildfläche verschwunden sein.

 

Diese Art vonTourismus wandelt das Bild der Insel doch sehr, und auch hier zeigt es uns einmal mehr an einem kleinen Beispiel wie sich Griechenland verändert, Jahr für Jahr, unser altes Kykladenfieber ist drastisch gesunken, Griechenland unterscheidet sich als Urlaubsland von keinem anderen mediterranen Land, es verliert seine Identität und sein besonderes Flair.

 

Die Seglercrews kommen mehr oder weniger überraschend auf die Insel, einige Reiseleiter warnen die Wirte in den Lokalen telefonisch kurz vorher zwar vor, und so ist auf einmal poli kosmos, wo ein paar Stunden zuvor noch tote Hose war. Das muss man als Wirt logistisch erstmal auf die Reihe kriegen.  

 

 

 

Das erklärt auch, warum Restaurants wie das Deli oder Kira Pothiti (leider hatte es noch nicht geöffnet) auf so einer eher unscheinbaren Insel finanziell nur schwer überleben können.

 

Dimitris vom Deli kann uns ein Lied davon singen. Unter diesen Umständen sind seine Gerichte noch sehr einfalls- und abwechslungsreich, und auch sehr lecker und relativ preiswert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

O.k, wir sind eine Woche hier, da kommt einiges zusammen. 

 

Wie dem auch sei, die Segler nehmen überhand, für uns geht es weiter mit der Skopelits nach Donousa.

 

 

 

 

 

Wir verlassen die maritime Spaßgesellschaft mit ihren ganz besonderen - von uns noch nie gesehenen - Vorlieben.  

 

 

 

 

Unsere Vorlieben sehen da immer noch ein wenig anders aus.  

 

 

 

Donoussa - Bauboom