Paros

 

Maráthi Marmor, Juni 2013

 

 

 

 

Richtet man sein Augenmerk bei einem Bummel durch
die Marktstraßen von Parikiá einmal nicht auf die Auslagen der Souvenir- und Designerläden (Odos Georgiou Gravari Loxagou und Odos Loxagou Kortianou), sondern lässt seinen Blick etwas höher umherschweifen, so entdeckt man viele Marmordetails, die teilweise noch aus dem 16. Jahrhundert stammen und die von der Glanzzeit der Venezianer zeugen, welche die Insel damals beherrschten.

 

 

Der weíße Marmor von Paros ist weltberühmt, aus ihm entstand die Venus von Milo, und auch die restaurierten Säulen der Agios Konstantinos auf dem Kastrohügel sind heute noch sehenswert.

 

 

 

 

Zum Sonnenuntergang ist hier ein sehr schöner Platz und der
Marmor entfaltet sonnenbeschienen seine magische Wirkung. 

 

 

Es sind die Details, die einem vielleicht erst auf den
zweiten Blick auffallen, wie die Fenstereinfassungen,
Türfriese oder der Marmorbrunnen aus dem Jahr 1777.

 

 

 

 

 

Aber nicht alles, was auf den ersten Blick wie ein Marmor-
Relief ausschaut, hält den zweiten Blick stand.

 

 

Wir machen uns auf den Weg, um die alten Stollen zu
besichtigen, in denen bei Maráthi der Marmor früher abgebaut wurde.
Denn anders als z.B. auf Naxos kam der beste weiße
Parosmarmor nicht aus dem Tagebau, sondern ganz tief
unten aus dem Berg.

 

 

Ein neuer marmorgepflasterter Weg führt uns in das dann
doch etwas unwegsame Gelände. Die Stolleneingänge sind
etwas halbherzig umzäunt, einige Schlupflöcher ermöglichen
den direkten Zugang zu den Stolleneingängen.

 

 

 

 

Etliche Bruchsteinruinen zeugen noch von den französischen Aktivitäten, als der Marmor für das Grabmal von Napoleon
hier gefördert wurde. 

 

 

Taschenlampen haben wir zwar dabei, aber einen Einstieg
in die Unterwelt wagen wir dann doch nicht, das erscheint uns
als viel zu gefährlich.

 

 

 

So schlendern wir durch die marmorbesprenkelte Landschaft zurück, und unsere Augen bleiben auf einer etwas ungewöhnlichen Marmorbüste hängen, die wir in dieser Landschaft eigentlich nicht erwartet hätten.

 

 

 

Die Statue gehört zu einem kleinen Skulpturenpark, der seitlich des Marmorfußweges entstanden ist. Wie etwas abgestellt wirken die sechs Kunstwerke schon, aber ein genauerer Blick lohnt sich allemal.
 

 

Es sind die verschiedenen Techniken der Marmorbearbeitung, die hier von den unterschiedlichen Künstlern angewendet wurden, und die uns staunen lassen, was sich aus Marmor
so alles herstellen lässt.

 

 

Die Skulpturen sind im Juni 2011 an dieser Stelle anlässlich

eines Bildhauer-Workshops entstanden. Die Hinweise vor Ort sind recht dürftig, das Internet weiß mehr:
 

Workshop Paria Lithos

 

Zitat parosweb.com:

"Die sechs Bildhauer Vassilis Vassili, Christo Lazaraki, Andrea Loli, Christo Rigana, Kyriako Roko und Dimitri Skalkoto erschaffen die Skulpturen während des gesamten Monats Juni 2011.

Jeder Künstler produziert seine Skulptur, die dauerhaft im Eingangsbereich des alten Marmor-Steinbruchs stehen wird.
Der Workshop wird von Theodoros Papagianis, Professor an
der Athens School of Fine Arts koordiniert."

 

Fotos vom Workshop Paria Lithos

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Lieblingsobjekt sind die zwei ineinander verschachtelten
Pappkartons aus Marmor. Jedes noch so kleinste Detail
der Wellpappe ist realistisch wiedergegeben.

 

 

 

 

 

 

Zerbrechlich

 

 

 

 

 

 

 

 

Chr. Lazarakis 2011

 

 

Mal grob bearbeitet...

 

 

...bis zu fein geschliffen. Der Kontrast bringt die Spannung.

 

 

Auch in der marmorgeschwängerten Umgebung ist das
Thema Marmor noch aktuell.

 

 

So entdecken wir hier bei Maráthi einen Marmorbetrieb,
der auch heute noch die unterschiedlichsten Marmorarten
künstlerisch und handwerklich be- und verarbeitet. 

 

 

 

 

Soeben wird ein großer Marmorblock verladen, vielleicht ein
lohnendes Fotomotiv. Emmanuel Fokianos winkt mich freundlich heran, ob ich denn Künstler sei, der Marmor kaufen wolle, während sein Kranführer Präzisionsarbeit leistet.

Fast hätte ich seine Frage bejaht, aber der Gedanke an
die Kosten für das Übergepäck beim Rückflug hat das dann
doch gerade noch verhindert.

 

 

Mir rutscht das Herz in die Hose:
Der Kranführer ist sein kleiner Sohn Adonis, der mit Geschick den großen Marmorblock aus Naxos navigiert, und dem sein Vater vertraut,
Teamwork von Vater und Sohn.
Nach dem Motto: Adonis spielt mit dem Kran.

 

 

 

 

 

Und Emmanuel zeigt mir die unterschiedlichsten Steine, mit denen er handelt und die er auch bearbeitet: Den dunklen Marmor von Tinos...

 

 

...den weißen Marmor von Naxos...

 

 

...und auch den Marmor von Paros. Hier wird wohl eine nicht ganz so edle und weiße Art noch abgebaut.

 

 

 

Ja, auch Emmanuel ist ein Künstler, aber nur von der Kunst kann offenbar auch er nicht leben.

 

 

So ist Paros für mich immer wieder faszinierend.

Auch nach vielen Paros-Aufenthalten gibt es immer noch

Neues und Überraschendes zu entdecken.

 

Nachtrag Juni 2016:

Den kleinen Marmorskulpturenpark bei Maráthi gibt es leider nicht mehr. Die Marmorskulpturen - wie hier die nachgeahmten Pappkartons - stehen verstreut auf den verschiedensten Plätzen in Parikia. Manche sehen dort aus wie bestellt und nicht abgeholt.






 

 

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