Naxos - Zwischencheck 2016


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Von Sikinos kommend steuern wir nun also wieder Naxos an, eigentlich nicht mehr meine Lieblingsinsel, zu groß, zu laut, zu unaufgeräumt, welch ein Kontrast zum kleinen beschaulichen Sikinos. Aber immer wieder haben wir das entspannte Leben auf der größten Kyklade genossen, die weiten weißen Strände, den quirligen Hafenort mit seinen verwinkelten, fast schon nordafrikanisch anmutenden Gassen, immer wieder genutzt als Sprungbrett zu den Kleinen Ostkykladen, und als Wiedereinstieg in die Zivilisation nach ein paar Wochen absoluter Ruhe. Neben Paros war 1981 Naxos unsere zweite Insel, als Backpacker gelandet, am Strand gepennt, die Paradiso-Taverne als Basislager genutzt. Damals boten die Kykladen das, was heute die jungen Leute nach Südostasien zieht. Hier traf sich die Jugend der Welt, Kontakte entstanden, Freundschaften in Richtung Kanada, USA, Australien und Bad Sassendorf.


Was damals angesagt war, Hotspot und Meer, wurde allmählich zur Sucht, zu einer Art des Reisens, auf die ich nicht verzichten konnte. Wir hatten immer eine gute Zeit, jede Kykladen-Reise brachte Erfahrungen und Begegnungen, ließen einen zur Besinnung kommen. Heute bevorzugt man andere Ziele, geht für eine Zeitlang ins Kloster oder auf den Jakobsweg. Wir wählten die Kykladen.

Das Reisen bedeutete noch Abenteuer, Reisehandbücher waren – außer dem „Velbinger“ – quasi nicht vorhanden, Fahrpläne unbekannt. Das machte Laune. Auch wenn sich bis heute viel geändert hat, so ist doch die Quintessenz geblieben:

Immer eine gute, intensive Zeit.
 
Das mag ein wenig beschränkt klingen, gibt es doch unzählige tolle Reiseziele auf der Welt. Und wenn ich meine weltweiten Reisen hier beschreiben würde, dann müsste diese Website nicht Richis Kykladenfieber, sondern Richis Reisefieber heißen, mit Beiträgen wie: „Bärenfleisch-Grill in den Bergen von Osaka… Nachts allein in der Heiligen Stadt Kyoto…Die Garküchen von Shanghai…Das Goldmuseum in Bogota…Die
Teotihuacán Pyramide von Mexiko…Der Blick vom CN Tower in Toronto…Eine Nacht im The Ritz, New York…Makronesien, die 7 Hauptinseln der Kanaren…Finnland bis Portugal, on the road...Wanderung von Zollstock nach Rondorf…usw.“ Oder so ähnlich. Tut sie aber nicht. Sie heißt und handelt vom „Kykladenfieber“.  

Genau seit zehn Jahren nun schreibe ich die Berichte über meine Kykladenreisen, ein kleines Jubiläum. Und so kam es vielleicht, dass wir so wie vor 35 Jahren wieder nach Naxos wollten, quasi um zu feiern, ein Treffen von ein paar Kölner Freunden, die wir durch unsere gemeinsame Liebe zu den Kykladen kennen gelernt hatten. Dafür ändert man schon mal gerne seine Route, für ein zwei Tage.

Zusammen mit der Ekaterini P läuft unsere Artemis im Hafen von Naxos ein, die Silhouette von Naxos Stadt mit ihrer Paralia und dem darüber thronenden Kastro lässt das Gassengewirr noch nicht erahnen, das uns später bei einem Bummel dann wieder wie in einem Labyrinth gefangen nimmt.
Wir mieten uns ein Auto bei dem Vermieter unseres Vertrauens und machen uns direkt auf den Weg zum Plakastrand, wo unsere Freunde schon auf uns warten. Die gewohnt chaotischen Baustellen, dieses Mal rund um den Flughafen, umfahren wir durch ein paar Umwege, verfahren uns im Hinterland von Agia Anna in den Feldern und landen aber dann doch in unserer Pension am Strand.

Einfachste Unterkunft mit schönem Ausblick, daneben eine Taverne für eventuelles Frühstück, Restaurants fußläufig. Back to the roots. Alles passt, wie in alten Zeiten, mehr brauchen wir nicht.


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Schnell noch ein Bad im Meer vor der Tür genommen, dann wird gefeiert, im Petrino, das wir lange gemieden hatten. Das handgemalte Schild ist schlecht lesbar, „Naxian Cuisine“ hatte ich immer als „Mexican Cuisine“ interpretiert. Das Essen ist dort wunderbar, zwar nicht typisch naxiotisch, aber lecker, ein feuchtfröhlicher Abend. Fast schon zu schön, nur das blaugrüne Auto stört den Blick in den Sonnenuntergang, aber das ist ja schließlich unser Mietauto itself, na dann!


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Spät erlauben wir uns am nächsten Tag zu frühstücken, einfach ist es nicht, die Taverne nebenan ist darauf nicht vorbereitet, es dauert. Aber immerhin, über fünf Euro pro Person kann man nicht meckern, und will man auch nicht.

Das Wetter meint es wie immer gut mit uns, wir fahren etwas über Land, vorbei an den Erntehelfern, die die dicken Naxos Kartoffeln aus dem sandigen Boden holen, bis zum Glyfada Beach. Hier ist der Strand noch so unberührt wie es damals der Plaka Strand war, von etlichen Jahren. Gut, wenn es windstill ist
  


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Zum Abend lockt dann doch Naxos-Stadt, alte Erinnerungen werden wach, unsere erste Bleibe in Naxos Stadt, vom Hafen aus wurden wir bei Nachtankunft abgeschleppt, in eine Abstellkammer, die blass-beige Tür ist immer noch so vergammelt wie damals, eine Horrornacht. Dann schon besser gegenüber der Metropolis Kirche das „Hotel Anna“, heute auch nicht mehr attraktiv. Ob es Anna noch gibt? Das Gefährt vor dem Haus sieht nicht danach aus.


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Die Paralia etwas langweilig, aber wir treffen zufällig liebe Bekannte, ein Selfie muss her, eine nette Passantin hilft aus, macht das Foto, woher sie denn komme? Neuseeland oder Australien, ich weiß es nicht mehr genau, aber danke nochmals. Ja, die Kykladen sind international geblieben.


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Die Altstadt zeigt sich dann doch etwas erfreulicher, trubeliges Leben, Restaurants und viel Kitsch.


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Aber auch Highlights, wie etwa der Laden von Nassos Papakonstantinou, der schon lange in der Market Street (Odos Agiou Nikodimou) seinen Silberschmuck kunstvoll fertigt, ein Muss für jeden Naxosbesuch


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Ein letztes Nostalgiebild von der Portara, ein letzter Abend am Plaka Strand, Nostalgie pur, ein wenig Wehmut kommt auf, ein wenig Gefühl von Jugend, Freiheit und Abenteuer (du meine Güte, was schreibt der jetzt wieder für ein Gesülze). 
Zwischencheck beendet, Ergebnis: Naxos macht immer noch Laune.


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Dennoch geht es am nächsten Tag weiter, die Ekaterini P lässt wieder grüßen, die ausströmenden Touristen beweisen es, die Saison hat nun wirklich begonnen. 


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Wir aber fahren mit der Express Skopelits um die Südspitze von Naxos und freuen uns auf Schinoussa.