Epano Koufonisi - Die Ferien des Kyrie Hulot 2016



1  

„Allô ça va bien...“ tönt es von unten als ich die Balkontür öffne. Der Gruß gilt nicht mir, es ist der Nachbar unter uns, der schon früh morgens telefoniert, dauerhaft – oder heißt es  andauernd? Jedenfalls fühle ich mich wie im Film seit wir auf Epano Koufonisi im Daskalio gelandet sind.
Wie in den Ferien des Monsieur Hulot. Achtung, gleich kommt er um die Ecke! Und irgendwie kommt mir die Filmmusik auch nicht mehr aus dem Ohr.

Die Ferien des Monsieur Hulot

 
Es ist der griechische Pfingstmontag, eigentlich sollten die Athener Gäste doch längst abgereist sein, aber sie halten sich einfach an nichts mehr. Und es sind nicht nur die Athener. Die Franzosen und Italiener sind ebenso zahlreich vertreten, das Haus ist voll, links, rechts, unter und neben uns belegt. Und das wird so bleiben, bis Mitte September, sagt Paris, unser netter Wirt. Er selbst hat für sich und seine Lieben im Garten ein Plastik-Reservoir geschaffen, wohin sie sich am Abend zurückziehen können.


1  

Die Balkone  liegen dicht an dicht, Backe an Backe sozusagen. Aber dafür ist die Aussicht toll, Monsieur Prassinos fährt mit seinem Badeboot vor unserer Nase vorbei zu den Stränden. Und wir haben volle Sicht auf den Anleger, der zur Zeit leider sehr lautstark ausgebaggert wird.
Aber das hindert die vielen Touristen natürlich nicht daran, es sich am Dorfstrand gemütlich zu machen und das obligatorische Bad im Stehen zu genießen.


1  

Auch Finikas scheut keine Mühen, die Gäste zu sich ins Resort zu karren, die Taverne ist gut besucht, der Strand vor der Tür belebt. Und das Meer strahlt so türkisblau wie immer, als hätte jemand im Filmkopierwerk an der Farbe geschraubt.  


1  

Wir probieren die echt französichen Ochtopodia im Kavos, und sehen von unserem Balkon aus, wie Monsieur Prassinos seine Gäste zurück schippert, die es gewohnt zu sein scheinen, täglich hin und her, wie auf dem Weg zur Arbeit.
Auch am Abend ist der Dorfstrand noch belebt, allerdings wundert es mich ein wenig, dass nicht Boule gespielt wird sondern Volleyball. Und auch das neue Lokal, das wir passieren, hört sich eher italienisch an: Lavanda e Rosmarino. Dafür passen aber wieder die Auslagen in den Souvenirläden: Fast echte Jaques Tati Hütchen! Nur die Pfeife fehlt dazu noch.


1  

Im Neo Remedso essen wir gut und günstig einen kleinen Fisch, und zum Glück kommt uns die unverkennbare Lache der netten Bedienung weder italienisch noch französisch vor, sondern eher international. Und wir wissen, es ist wie im Film. In den Ferien ist man hier nie einsam.
Am nächsten Morgen schallt es dann wieder von unten herauf „ça va bien“, was ich laut und deutlich erwidere, wonach das Telefonat plötzlich merklich leiser wird.
Monsieur Hulot verzieht sich, wohin auch immer. C'est la vie.


1  

Der Pori Strand ist heute unser Ziel, wir gehen die Küste entlang, vielleicht ist dort noch ein ruhiges Eckchen zu finden, der Weg ist wie gewohnt sehr schön, nur eine an einem Weidezaun hängende rote Schwimmweste irritiert ein wenig. Ist die Realität jetzt auch schon auf Koufonisi angekommen? Welches Schicksal wird sich dahinter verbergen? Mulmiges Gefühl. Egal.


1  

Wir gehen weiter, lassen uns die Ferien nicht vermiesen, sehen die Kitesurfer schon voll in Aktion. Und wen finden wir direkt neben uns am gut besuchten Pori Beach?
Correctement, notre Monsieur…in großer Clique, lautstark wie gewohnt, rauchend und telefonierend. Man müsste es am Strand verbieten!


1  

An diesem Abend ist der Dorfstrand dann doch leerer, die Athener scheinen abgereist, die einheimischen und sonstigen Touristen sind wieder unter sich, normales Leben kehrt zurück.


1  


1  

Wir lassen es uns in der Café-Ouzerie von Maria gut gehen. Hier ist es noch griechisch wie es sein soll, die Gäste genießen das kühle Bier, während der Opa sich um die Souvlaki auf dem Grill kümmert.


1  

Auf der Insel kehrt der griechische Alltag wieder ein, an den Stränden werden die soeben erworbenen Poolnudeln ausprobiert und in den Gassen wird um die Melonen gefeilscht.


1  

Endlich wieder typisch griechische Motive!


1  

Unseren letzten Abend auf Koufonisi genießen wir im Gastronautis bei Risotto und etwas trockenem Hühnchenfilet.


1  

Und düsen am nächsten Morgen mit dem Highspeed 4 weiter Richtung Amorgos.


1  

Adieu Monsieur Hulot. Ab nach Langada...


Inselberichte