Begegnung auf Kea

 

  

 

 

 

 

 

 


 


„Two tickets to Kea…“ stammele ich der Ticket-Lady

in ihrer Holzbude am Anleger vor.

Zwei Kilometer sind wir mit Gepäck von Lavrion zum Hafen gelaufen, haben im Ort den Nachmittag des Anreisetags verdöst. Das Telefon der Lady klingelt. „Oriste?...“

Es wird ein längeres Gespräch.
Werde mich noch mehrmals wundern, wie lange man sich über Tickets von Lavrion nach Kea und zurück auslassen kann.

Die Fahrt ist meist kürzer als der Deal. Ich störe.

Sie hat ein Auge für mich: „Come later again!“
Ich ziehe die Augenbrauen hoch, werfe leicht den Kopf

in den Nacken und sage nur „Òchi.“

Das wirkt.

Besser mal nachfragen, wie das Schiff heißt. “Makedon!”
Wie? Makedon? Wochenlang hab ich GTP.gr gewälzt.

Immer war es die Myrina. Und jetzt Makedon.

Wenn das man stimmt.

Es stimmt. Pünktlich um 18:00 wird die Laderampe hochgezogen.
Doch dann: Polizei rauscht an, Blaulicht am Kai.

Getuschel mit der Mannschaft. Kommando zurück.
Wir legen wieder an.
Offensichtlich wird noch ein Obermufti erwartet,

wichtig, wichtig.

Alle Mann erst mal eine rauchen.

Denn jedes Warten bedeutet gewonnene Zeit.
Nach einer dreiviertel Stunde: tiléfono. Entwarnung,

er kommt doch nicht. Wir legen endlich ab. 

Kea empfängt uns mit griechischer Betriebsamkeit,

ausländische Touristes sind nur wir.
Es wird dunkel und wir bleiben erstmal im Hafenort Korissía.
Das Karthea hat noch ein Zimmer frei,

mit Blick auf den Hafen, für eine Nacht.

Der Schlüssel vom Mietauto am nächsten Morgen klemmt im Lenkradschloss. Ich zieh in ab uns steck ihn in die Hosentasche. Wohin denn sonst.
Nur hatte leider der Bäcker, der uns den uralten Suzuki vermietet, den Schlüssel vorher mit Caramba eingesprüht, diesem wunderschönen Graphit-Öl Gemisch.
So ist meine helle Hose am ersten Urlaubstag hinüber.

Das sind die griechischen Momente im Leben.

Wir fahren raus aufs Land, besuchen Ioulis, den Hauptort, reiten den Löwen und sind überrascht von der für die Kykladen verhältnismäßig grünen Landschaft,
machen Rast unterm Olivenbaum und genießen unsere Hirtenmalzeit: Papadopoulos-Kekse, die mit der Schokolade

sind die Besten.

Es ist Donnerstag, tote Hose auf Kea. Wir klappern die Küste ab, Pisses, Koúndouros, und suchen eigentlich nach Mano´s Taverne, im Reiseführer beschrieben als nette Unterkunft

mit Meerblick, geführt vom freundlichen Besitzer.
Aber das Haus ist geschlossen, verrammelt.

Und gepflegt sieht es hier auch nicht gerade aus.
Viel Auswahl bleibt da nicht mehr, wir sind umzingelt

von den Wochenendhäusern der Athener.

Versuchen wir unser Glück im St. Georges Bungalows, das schein geöffnet zu sein.
50 Euro im Juni, für Tisch, Bett, Stuhl. Ein stolzer Preis. Und natürlich Kühlschrank und Fernseher. Aber ohne Küchenzeile.
Von außen nicht gerade ein Prachtbau, aber von der Terrasse haben wir einen wunderschönen Ausblick mit Sonnenuntergang über dem Meer und erleben herrlich ruhige Tage und Nächte.
Die Dame des Hauses ist eine Seele von Mensch, hat Zeit für einen Plausch, denn das Haus steht in der Woche fast leer.

In der Taverne, die dazugehört, sind wir die einzigen Gäste.

Der Wirt kocht selbst. Und wie!
Wir merken, die Athener, die für das Wochenende erwartet werden, scheinen anspruchsvoll zu sein.
Er kocht so gut, dass wir während unseres gesamten Kea-Aufenthalts kein anderes Restaurant ausprobieren (außer dem Lagoudera im Hafen, auch sehr gut!). So haben wir innerhalb der Woche unseren freundlichen Privatkoch, der froh ist, zu tun zu haben, und der sich am Wochenende plötzlich für die

Athener in seine blütenweiße Kochmontur schmeißt. 

Und sie kommen. Die Sommerhäuser erwachen zum Leben,

die St. George Bungalows sind voll, das Restaurant gut besucht.
Wir machen unsere Ausflüge in die Umgebung, baden bei Kambí und verbringen herrliche Tage auf Kea. Das Ticket weiter nach Kithnos wird wieder ein längerer Deal. GTP.gr ist scheinbar bis Kea noch nicht vorgedrungen. Und hinter Kea hört hier die griechische Inselwelt auf.

Zum Abschied ist „unser“ Koch nicht da. Einkäufe in Lavrion.

Doch mit der einlaufenden Fähre, die wir entern, kommt er von Bord, winkt uns zu, als wollte er sagen: Bleibt doch! Woanders ist es auch nicht schöner. Und auch nicht leckerer.

Womit er Recht behalten sollte.

 

 



 

 

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