Iraklia - wie immer?      

 

 

 

 

Ist Iraklia in diesem Jahr, fünf Jahre nach dem letzten Besuch, und im sechsten Jahr der Krise, wieder so wie immer? Es sieht ganz danach aus, das äußere Bild hat sich nicht sehr verändert, die Menschen am Hafen bei der Ankunft, das Gerödel beim Ausladen der Baumaschinen.  

 

 

Das Warten der Pensionswirte am Anleger, alle in Reih und Glied, alle haben ihren festen Platz, nur Anna von Anna´s Place mit ihren roten Haaren steht etwas abseits, hat einen Sonderstatus, weil sie die Erste war.  

 

 

Du erinnerst dich gut an die Zeit, damals vor über 20 Jahren, als die Fähren noch nicht anlegen konnten, als ausgebootet wurde und Georgios, der Fischerjunge mit den langen Haaren, die er zum Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte, gemeinsam mit den anderen Fischern die einzelnen wenigen Reisenden durch eine Tür an der Außenwand der großen Fähren in sein Boot holte, mit dem ganzen Gepäck, den Kartons und Kisten. Was hast du Georgos damals beneidet, ein freies Leben auf einer kleinen Insel, heute lebt auch er vom Tourismus, ist im Sommer auf der Insel und betreibt seine Studios Villa Glafkos, wenn er nicht gerade Fischen geht oder mit dem Moped durchs Dorf fährt.

 

 

Anna hatte schon damals die Zeichen der Zeit erkannt, war neben Alexandra eine der ersten, die ordentliche Zimmer anbot, mit ihrer Mutter zusammen für die Gäste kochte, während Vangelis sich um den Garten und das Haus kümmerte, eher zurückhaltend war, du kamst zu ihr immer wieder, deinen Namen konnte sie sich nur merken, wenn sie an Richard Nixon dachte, den kannte sie aus dem Fernsehen. Von den anderen Insulanern wurde sie oft misstrauisch beäugt, denn die Reisenden, das waren Gäste, denen man kein Geld abknöpft, die griechische Gastfreundschaft war legendär, aber du hast Anna als liebenswert und geschäftstüchtig kennen gelernt, und verfolgt, wie sie ihre kleine Pension mehr und mehr ausgebaut hat, das Restaurant hat sie nach dem Tod der Mutter schon lange aufgegeben.

 

 

Beim Verlassen der Fähre siehst du, wie sie dir schon zuwinkt, auch einige andere Passagiere folgen dir, wie ein Magnet zieht sie die Leute an, Küsschen links, Küsschen rechts, ti kanis? Kala! Hinter dir murmelt irgendjemand etwas von „Marietta“, „Yes, yes, Marietta, welcome“, Küsschen links, Küsschen rechts, alle Küsschen, alle rein ins Auto, das wievielte ist es eigentlich nach dem alten Pickup, auf dessen Ladefläche du immer transportiert wurdest? Nach kurzer Fahrt angekommen, dann doch die Irritation der Mitfahrer: „Is this really Marietta Rooms?“ Ungläubiges Kopfschütteln von Anna, ein kurzes Telefongespräch mit Marietta, sie wird sie abholen.  

Anna zeigt dir die neuen Rooms, die in den letzten Jahren entstanden sind, zwei neue große Apartments, und die alten Rooms frisch renoviert, mit neuen Betten und Bädern ausgestattet, wirklich toll. Du entscheidest dich für das mit der besten Aussicht, ganz oben, mit Blick über die Hafenbucht.  

 

 

Der anschließende Gang in Richtung Livadii gibt dir einen ersten Überblick, die Stichstraße zu Anna, an der auch das neue Speires-Hotel liegt, ist jetzt verkehrsberuhigt, Mopeds nur eingeschränkt erlaubt, Nacht- und Mittagsruhe, das hast du noch nirgendwo gesehen.  

 

 

Und ja, auch hier wurde neu gebaut, aber sanfter, sorgsamer, nicht so radikal wie auf Donousa, eher einstöckig, aber die alten Bauruinen sind immer noch nicht fertig geworden.  

 

 

Das frühere Makuba, bei jungen Leuten sehr beliebt, hat offenbar neue Besitzer, heißt jetzt Surfin Bird, der eingemauerte rote Roller ist echte streetart, daneben eine Ansammlung von Schutzhütten, wahrscheinlich eher ein mehr oder weniger improvisierter Campingplatz für die Durchmacher oder Überlebenden im Surfin Bird.

 

 

 

 

 

Du wunderst dich auch hier in der Livadibucht über die Segler- und Yachtendichte, so etwas kennst du von Iraklia nicht, du siehst wie ein Paar von ihrer Yacht ihren Hund zum Kacken an den Strand rudert, hattest den Strand auch nicht so flach in Erinnerung, für ein erstes Bad läufst du kilometerweit rein, um zu schwimmen.  

 

 

 

 

 

Der kurze Besuch bei Georgia in der Melissa lässt dich dann wieder eintauchen in alte Zeiten, sie ist beschäftigt, zupft die Kapernknospen von den Blütenblättern, ist aber auch noch leicht erkältet, wie du auch, du schenkst ihr deine letzte Stange Hals-Bonbons, die Blauen, gut gegen den Husten, sie strahlt, deinen Einkauf brauchst du deshalb nicht zu bezahlen, Gastfreundschaft.  

 

 

 

 

Letzter Abstecher an diesem Tag dann im Syrma für einen Dakos und ein paar Gavros, und wie dich der Anblick dieses Hafens freut, so nah am Wasser sitzend in der warmen Luft.  


 

 

 

Ruhe pur. Gespannt, was der Morgen bringt.  

 

 

Iraklia - immer wieder