Iraklia - immer wieder  

 

 

 

 

Morgens um sechs stehst du auf, nicht weil du willst, sondern weil du musst, ein flammend roter Himmel bricht ostwärts hervor, als wenn die Sonne mit aller Macht die dunklen Wolken der Nacht vertreiben wollte, der Himmel schillert aufgeregt in allen Farben, das Meer dagegen spiegelglatt, gelassene Thalassa im Hafen von Iraklia.  

 

 

Mit gewohnter Kraft setzt sich der blaue Himmel endlich durch, ein heller Tag, du streifst durchs Dorf und irgendwie bist du beruhigt, dass es noch einen Flecken auf dieser griechischen Kykladenwelt gibt, der sich nicht so schnell verändert, der die alten Postkartenmotive bewahrt, nicht nur die Motive, auch die Postkarten selbst, du findest sie in Annas altem Laden, im Super Market, den jetzt Annas Tochter führt, vierzig Cent pro Karte, du kaufst die ältesten, verblichensten und verschickst sie an die, die die alten Zeiten mit dir hier geteilt haben, um mitzuteilen, dass sich hier seit Jahren nichts verändert hat.

 

 

 

 

 

 

Aber natürlich hat sich doch etwas geändert, Annas Tochter hat ihre eigenen Vorstellungen von dem Laden, klebt Hinweisschilder für die Kunden, wie sie sich zu verhalten haben, denn der Kunde ist zwar König, aber sie ist die Kaiserin, Ordnung muss sein in ihrem Laden, keine Waren auf die Theke packen, bevor der Einkauf abgeschlossen ist, bekräftigt mit sechs(!) Ausrufungszeichen, vielleicht sollte sie mal bei Flora auf Sikinos in die Lehre gehen.

 

 

Das Dorf erwacht zum Leben, die ersten Badegäste finden sich in der Hafenbucht ein, du gehst hoch auf die Klippen gegenüber vom Anleger, aber es zieht dich dann doch hinaus aus dem Dorf.  

 

 

 

 

Der Weg führt dich an der wie immer aus dem Ei gepellten Kirche vorbei zum Ort hinaus, fahrende Händler bieten ihre Waren an,

das Wetter ist stabil, du gehst Richtung Vorini Spilia-Bucht, den kurzen aber sehr schönen Wanderweg.   

 

 

 

 

Thymian blüht in aller Pracht, die Farben des Sommers in der sonst kargen Landschaft, ein genialer Kontrast zum Blau des Meeres.  

 

 

 

Trotz dieses übersichtlichen Pfades weisen am Ende Steinmännchen dir den Weg. Steinmännchen, die diesen Namen wirklich mal verdient haben, du kannst dir nicht verkneifen, im Nachhinein ihnen ein Hütchen aufzusetzen.

 

 

 

 

 

 

Nach einem erfrischenden Bad im türkisblauen klaren Wasser am nicht ganz sauberen Spilia Strand kommst du wieder im Abendlicht ins Dorf, die Alten spielen Karten vor der Melissa, die Wirte in den Restaurants stehen schon für ihre Gäste bereit, den Höhepunkt des Tages zu zelebrieren, das Essen ist wie immer einfach aber gut, besonders gefällt es dir im Maistrali, Nikos strahlt eine Lässigkeit aus, die du nie erreichen wirst.    

 

 

 

 

 

 

 

 

Du beschließt den Abend mit einem Glas Wein und wunderbarem Dessert auf der Terrasse des neuen Speires-Hotels, gegenüber von Anna´s Rooms, im Sonnenuntergang mit fünf Sternen.

 

 

 

 

Leicht fällt dir der Abschied von Iraklia am nächsten Morgen nicht.  

 

 

 

 

 

 

Aber du weißt ja, es gibt ein immer wieder.

 

 

Paros - Antiparos