Was ist los auf Amorgós?
Juni 2010

 

 

 

 

Was ist es doch für ein herrliches Gefühl, den Boden von Amorgós wieder nter den Füßen zu spüren! Wir sind fast erleichtert, dass niemand von unserer altbewährten Pension

an der Skopelitis steht.

 

 

 

Dieses Mal möchten wir die Studios Panorama in Chora ausprobieren, wegen der Größe der Zimmer. Und deren Wirt

steht auch schon am Anleger bereit, freut sich, Touristen „geangelt“ zu haben, denn viel ist nicht los auf Amorgós.

„Das erste Mal auf Amorgós?“ „Nein, hier waren wir schon oft.“
„Aha, wo habt ihr denn sonst übernachtet?“
„Bei Pension Kastanis.“ Er zieht die Schulterblätter etwas hoch, ist ihm nicht wirklich wohl dabei. Wenn das man nicht herauskommt, dass er dem Elias die Touristen wegschnappt, denn der ist so etwas wie die Prominenz in Chora.

 

 

Uns soll es egal sein, und außerdem wird dessen Haus gerade renoviert, vielleicht war deshalb niemand im Hafen. Wir treffen Elias später im Ort, er begrüßt uns freundlich, alles in Ordnung. Die Panorama Studios liegen zentral neben der Schule, geräumig sind sie, aber es pfeift ein kalter Wind (…immer einen Kittel mehr in Chora. Nicht wahr, Katharina?). Doch man hat das Gefühl, direkt im Ort mitten im Geschehen dabei zu sein. Da stören die Gymnasiasten morgens um 8:30 Uhr kaum.

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, hier oben zu wohnen, verändert hat sich hier nicht viel. Wir beobachten die Menschen, wie sie ihre alltägliche Arbeit verrichten, den Papas, wie er um 18:00 die Glocke läutet, die Kinder – und es gibt einige – die in den Gassen spielen, die Parkkünste der Polizei oder die Alten in den urigen Tavernen. Wir streifen durch das Dorf, hinauf zu den verfallenen Windmühlen und essen abends lecker im
O Kastanis, bei To Xyma oder einfach in der Pizzeria Petrino,

wo wie überallauf der Welt das Handy die Kommunikation bestimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Speisenangebot ist gut, es gibt die typischen Fleischgerichte mit viel Zimt, die überbackenen Auberginen, lecker Pizza und vieles mehr. Nach ein paar Tagen hat man alle Restaurants ausprobiert, es schmeckt überall recht gut.

 

 

 

Auch an den Fischhändler Mustafas, der uns mit seinem Muschelhorn weckt, gewöhnen wir uns rasch (sein Vorgänger war noch per Esel unterwegs, das Horn hat er ihm wohl vermacht), wir sehen Mustafas später an seinem Boot im Hafen wieder.

 

 

Hier kann man ihn auch
hören

 

 

Ich hab ihm seine Visitenkarte abgeschwatzt, mit seinem Werbespruch:

"An fréska psária thes na fas
edó eínai o Moústafas!"


"Wenn du frische Fische essen willst
Hier ist der Mustafas!"

Skylopnichtis hat es mir übersetzt, dafür vielen Dank!

Die meisten Fische werden wohl nach Naxos gebracht,

die Einheimischen von Katapola bekommen den Rest, dementsprechend ist die Stimmung mau.

 

 

 

 

 

 

Katapola hat sich schon verändert, wurde modernisiert. Der alte Kiosk auf dem Hauptplatz neben dem Kamari wurde abgerissen und durch einen Neubau-Würfel ersetzt. Den Platz „zieren“ jetzt neue große Bänke, auf blankem Betonboden stehend.

Sehr modern und viel zu cool. Den alten Kiosk hat man entsorgt, wir finden ihn kopfüber liegend auf dem Busparkplatz. Wieder ein Stück altes Katapola weniger.

 

 

 

 

 

 

Wir machen unsere Runde, hinüber nach Xilokeratidi, treffen Margarita, schlendern nach dem Sundowner in der Moon Bar wieder zurück, kaufen ein paar alte Postkarten (die von George Meis) und speisen vorzüglich die typisch griechische Fischsuppe, bei der wie in Südfrankreich die Suppe selbst und die Einlagen von Fisch, Kartoffeln und Gemüse getrennt serviert werden. Einfach lecker! Wenn dann noch wie bei unserem Besuch Jannis Skopelitis mit einem Fischer am Nachbartisch sitzt und leise vor sich hin summt, ist das Amorgos-Feeling perfekt. Der Respekt verbietet es, jetzt die Kamera zu zücken. Aber in den Fingern gejuckt hat es schon.

 

 

 

Natürlich werden wir am nächsten Morgen wieder von den Aktivitäten in Chora geweckt. Als hätten sie auf uns gewartet, muss heute unbedingt der alte Sendemast abmontiert werden, der am alten Hubschrauberlandeplatz. Schon lange gab es Proteste aus der Bevölkerung, da nicht geklärt war, in wieweit die Strahlung für die Schüler der daneben gelegene Schule schädlich sei. Was zuerst aussah wie Reparaturarbeiten, entpuppt sich dann doch als eine komplette Demontage, per Flex, elektrischen Schraubendrehern und allem Pipapo.

 

 

 

 

Schön, dass so eine Demontage mindestens so lange dauert wie unser Aufenthalt in unserer Pension, die direkt daneben liegt. Genau 7 Tage.
So flüchten wir tagsüber per Mietauto zu entfernten Zielen auf der Insel, sehen, dass das idyllische Ag. Pavlos auch von Baustellen verschandelt wird – eine große Apartmentanlage liegt in den letzten Zügen, die karge Schönheit ist für uns dahin.

 

 

 

 

Von Aegiali, das meiner Meinung nach immer ein wenig unaufgeräumt wirkt und daher nicht so mein Fall ist, geht es weiter nach Langada, von wo wir die Wanderung zum Kloster Ag. Ioannis Theologos auf dem Wanderweg Nr. 5 machen, kurz bevor sich der Himmel zuzieht und wir noch rechtzeitig die kleine Höhlenkirche Ag. Triada an der Straße nach Langada erreichen. Aber zur Not hätten wir im Theologos Kloster auch in einer der Pilgerzellen übernachten können, Betten und sogar Bettzeug standen bereit, obwohl das Kloster ja nicht

bewohnt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der zweite Autotrip führt uns in den Südwesten der Insel, wir steigen zum ersten Mal nach Alt-Arkesini hoch - sehr beeindruckend die Reste der antiken Inselstadt – zugänglich nur über eine schmale Landbrücke, die Landschaft hier ist einfach fantastiko (wie Reiner sagen würde). Weiter geht es zum Notina Mouros Strand, dessen Zufahrtstraße inzwischen auch asphaltiert ist, so dass er ein beliebtes Ziel für viele Moped- und Mietautofahrer geworden ist. DieTaverne dort ist allerdings auch noch verschlossen, aber für einen schönen Badetag ist er ein herrliches Ziel.

 

 

 

 

 

 

 

Weniger anmutig finde ich allerdings den Kalotaritissa Strand. Vorbei an der Liweros-Bucht kontrollieren wir, ob die alte Olymipia noch an Ort und Stelle liegt - ja, sie liegt. Der wilde Südwesten von Amorgos wäre schon eine weitere Erkundung wert.

 

 

 

 

 

Wenn nicht die Zeit wegrasen würde.
Morgen geht es zum Kloster Chozoviótissa.

 

 

 

 

 

 

Inselberichte