Amorgos - Chora 2016
und Co.


Ob die Chora oder das Bergdorf Langada auf Amorgos besser für einen Aufenthalt auf der Insel geeignet ist, dieses Problem ist genauso schwer zu lösen wie die Frage, ob Blau oder Rot die schönere Farbe ist, ob Äpfel oder Birnen besser schmecken oder ob der FC Köln oder der FC Bayern besser Fußball spielt. Ich tendiere grundsätzlich immer zur ersten Möglichkeit.
Wir haben unsere sieben Sachen gepackt und fahren von Langada die Küstenstraße entlang, bis uns die Ziegen von Chora neugierig in Empfang nehmen. In unserer Pension ist zufällig noch ein Studio frei, und so zieht es mich schnell in die Gassen, der Fotospaziergang ist für Kykladenfiebrige immer wieder ein Erlebnis der ganz besonderen Art.


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Viel Neues fällt mir nicht auf, die altbekannten Tavernen und Cafés sind noch an ihren Plätzen, neben der Dreierkirche hat wohl ein neues Fischrestaurant aufgemacht, es ist abends von den einheimischen Jugendlichen sehr gut besucht. Wir lassen die Jugendlichen lieber unter sich und suchen das Aussichtslokal I Thea auf, das jetzt von der Wirtin des Lokals O Kastanis auf der Hauptgasse geführt wird, der voherige Wirt Vangelis ist wohl in Rente gegangen, oder er hatte keine Lust mehr, wie die Wirtin erzählt.
Vangelis hatte Mitte der 1980er Jahre seine Karriere als Koch im O Kastanis begonnen, so schließt sich der Kreis.
Jedenfalls sind die Abende in Chora immer wieder sehr gemütlich.


Etwas frischer geworden ist es am Morgen, die üblichen Nebelwolken wabern über den Ort, und so fahren wir nach Katapola hinunter, gespannt bin ich, ob sich etwas in dem Laden des jetzt verstorbenen Herrn Prekas geändert hat, hat es aber zum Glück nicht. Herr Prekas war ja auf Amorgos eine Institution mit seinem Nautischen Café Restaurant und der Ticketagentur hinter dem Holzverschlag. Die Sammlung der alten Röhrenfernseher steht jedenfalls genauso an ihrem Platz wie früher, und sein Arbeitsplatz am Schreibtisch ist unangetastet unaufgeräumt, als hätte er ihn gerade erst verlassen.
Herr Prekas Nachfolger aus der Familie hat mittlerweile die Geschäfte übernommen, ganz in seinem Sinne, und so wird der Laden wohl ein kleines Prekas-Museum bleiben, gut so.


Wir gehen weiter am Anleger vorbei Richtung Pension Eleni, vorbei an der kleinen Kiirche der Allerheiligsten, der Panagia,  und besuchen Erato, die Muse der Lyrik, des Gesangs und des Tanzes, eine Tochter des Zeus, die in Stein gemeißelt mit ihrer Lyra die einlaufenden Schiffe empfängt. Das wird von den Fähren gerne mit einem großzügigen Horntuten erwidert, jedenfalls gerade jetzt, als die BlueStar Naxos uns passiert. Über lebensgroß thront die Statue stoisch über der Bucht und kontrolliert, wer ein- und ausfährt. Unser Weg führt uns weiter die Küste entlang, am E-Werk vorbei, und wir landen an der frisch gekalkten Doppelkapelle Ag. Anargyroi, die den „Unentgeltlichen Helfern“, den Heiligen Cosmas und Damian geweiht ist, und deren Vorplatz zum Verweilen einlädt.




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Der Tag ist noch jung, und so fahren wir auf die andere Inselseite, nach Agia Anna, dem damaligen Geheimtipp für diskrete Bäder. Aber heute hat sich die Touristenschar dort schon etabliert, klingelt eifrig an der Kapellenglocke, als wäre ein Unheil nahe. Der Hauptdarsteller von „Im Rausch der Tiefe“, dem die Kirche als Behausung diente, kann es ja wohl nicht sein, der Film ist hier längst abgedreht. Es ist schon erstaunlich, wie sich Agia Anna entwickelt hat. Wir jedenfalls laufen ein paar Minuten weiter zum geheimen Kambi Strand, wo schon damals einige Strandschläfer hausten, als wir noch jugendlich waren, das damals unaussprechliche Kloster Chosowiótissa immer fest im Blick. Die Quelle am Strand in Form eines Wasserhahns ist heute wieder in Betrieb, nachdem sie jahrelang versiegt war.


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Nach einem erfrischenden Bad in der Ägäis, was liegt da näher, den Mühlenhügel zum Sonnenuntergang zu erklimmen, um danach zu unserem Lieblingsrestaurant in Katapola aufzubrechen?


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Für viele beginnt Katapola erst ab dem Kamari, der Kneipe am Anleger der Skopelitis, vorbei geht es an den einmaligen Gemischtwarenläden und Boutiquen, den Lebensmittelläden zur Versorgung der Segler, an Popis Mouragio und Käptn Minos Restaurant vorbei, bis hin zum Rand, dem Akri, dem letzten Restaurant an der Hafenmole. Hier liegt die Ouzo Taverna Akri. Auch hier regiert schon König Fußball, aber wir genießen wie so oft die Präsenz der Prominenz in Person vom legendären Schiffseigner und Kapitän, der hier fast täglich anzutreffen ist, der unglaublich freundlichen Wirtin und der sagenhaft günstigen Sardeles und Ochtapodia. Aber ich will hier ja keine Schleichwerbung machen. Die Speisen sind köstlich, und die Lage direkt an den letzten Kaikia von Katapola lässt Gefühle aufkommen, für die allein es sich schon lohnt, die Reise nach Amorgos anzutreten.


Wir fahren hinaus nach Vroutsi, gehen von dort den alten Weg zum Steilfelsen von Alt Arkesini, Akro Kastri, vorbei an der blendend weißen Agios Ioannis Kirche bis zur jetzt wieder auch in weißer Pracht strahlenden Panagia Kastriani auf der Klippe, die bei unserem letzten Besuch ein wenig lieblos restauriert erschien.


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Bei über dreißig Grad im Schatten ist diese Wanderung doch schon sehr anstrengend, und so suchen wir uns noch ein kühles Plätzchen am Meer, am Paradise Beach und am Kalotaritissa Beach, um auf der Rückfahrt noch einmal das grandiose Amorgos Panorama zu genießen und den Abend mal wieder in Katapola ausklingen zu lassen.


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Die Tage sind zu kurz, es gibt Orte auf der Welt, da ist wie auf Knopfdruck ein Glücksgefühl einprogrammiert, wenn man sie erreicht. Also ein nächster Amorgos Trip ist bereits fest eingeplant  


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Aber jetzt zieht es uns schon wieder weiter nach

Paros - Parikia.