Tavernenglück

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist die Einfachheit der Dinge, die in den Tavernen zählt.

 

Ein Tisch muss wackeln, eine Plastikdecke haben und klein sein.

 

So kommt man sich näher.

Ein Stuhl muss eine Sitzfläche aus Bast haben, auch wackeln, sonst federt er nicht.

 

Messer und Gabel werden im Brotkorb geliefert, in eine Papierserviette gewickelt, in Nachbarschaft von Pfeffer und Salz.

 

Design egal, das Besteck sieht aus wie aus der Jugendherberge im letzten Jahrtausend entwendet. Messer unscharf, Gabel verbogen.

 

Unter allem wird erst mal die windempfindliche Papiertischdecke montiert, möglichst mit aufgedruckter stilisierter Inselkarte in Blau. Hierauf erkennt man plötzlich bei jeder noch so kleinen Insel Unmengen von Buchten und Orten.

 

Zur Befestigung gibt es zwei Systeme:

Das System Gummitwist und das System Klammeraffe.

Beim Gummitwist umspannt ein Gummiband alle vier

Tischbeine unterhalb der Tischplatte.

Das Tischtuch wird dann irgendwie dazwischen geklemmt.

 

Das System Klammeraffe kennt man vom Gartentisch der Schwiegermutter. Vier Klammern, auf jeder Seite eine,

sie springen gerne ab.

 

Und jedes Mal fragt man sich: muss ich da mithelfen beim Tischebeziehen oder nicht? Wenn nicht, fummelt mir Jorgos oder wer auch immer mal wieder vorm Bauch herum.

 

Für Wein und Bier gibt es die tollen Zahnputzgläser, am besten sind die, bei denen man den Schriftzug „Kronos“ auf dem Grund erkennen kann. So schmeckt es  uns gut.

 

Nur mit dem Frühstück hapert es. Der Inhalt der Butterdöschen, schon dreimal in der Sonne geschmolzen, glänzt wie flüssiges Gold. Marmelade gibt´s auch. Aber immer Erdbeere. Oder Pfirsich. Selten Kirsch. In kleinen Dosen, made in Germany.

 

Der heiße Nescafé wird aufgeschäumt, als Zeichen der guten Küche. Wenn man Pech hat, bekommt man nur Schaum.

Dumm gelaufen. Und das Brot ist abgezählt, eine Scheibe für jeden. Dafür wird man beim Abendessen mit Brot zugeschmissen.

 

Na, dann doch lieber die aus dem Supermarkt mitgebrachten kleinen Käseecken auspacken, und das gerettete Brot vom Vorabend. Hoffentlich sieht uns keiner zu.

 

Aber alles muss so sein, fürs Tavernenglück.

 

 



 

 

 

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