Missverständnis auf Amorgos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war Anfang der 80-er Jahre, als ich erstmals in die Chora

von Amorgos kam. Damals erinnerte mich die Insel schon

ein wenig an Lummerland. Ein Bus, eine Straße.

Viel mehr war da nicht, selbst die Verbindungsstraße nach

Ägiali war noch nicht gebaut,„The Big Blue“ hatte Amorgos

noch nicht entdeckt.

 

Der alte Dodge-Bus, der bei Ankunft eines jeden Schiffes

von Chora nach Katapola (und zurück) fuhr, wurde sicher geführt vom einzigen Busfahrer, der damals auch schon mal

von nervösen Touristen mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt wurde, weil sie Angst hatten, ihr Schiff zu verpassen.

Den alten Bus hab ich Jahre später auf dem Schrottplatz

wieder gefunden. Heute habe ich einen Teil des Dogde-Emblems bei mir zu Hause.

 

Unser bevorzugtes Domizil war die Pension „Kastanis“,

den Wirt besuche ich heute noch. Seine Kinder, die mir damals beim Spielen aus Jux das Wasser abdrehten und ich

so tagelang auf dem Trockenen saß – man wusste ja, die Wasserknappheit auf Amorgos, da geht das Wasser schon mal zur Neige – seine Kinder sind groß geworden, leiten heute die Pension und holen die Gäste mit dem Auto von der Fähre ab.

 

Dieses Jahr hatte die Tochter schon ein Baby auf dem Arm. Oben angekommen treffe ich ihn, beglückwünsche ihn zu seinem ersten Enkelkind.

 

Er schaut mich an und sagt stolz: „Yes, my daughter!

 

Beim Abschied bringt uns die Tochter wieder zur Fähre.

Ich wünsche ihr viel Glück mit ihrer kleinen Tochter.

Sie meint nur verwundert: „My daughter?

No no, the baby is my little sister!”

 

Oh, da hab ich wohl etwas missverstanden. 

 

 



 

 

Geschichten