Skyros - Magaziá

 

 

 

 

Der Taxifahrer, der uns abholen soll, findet uns rasch in der Menge der Neuankömmlinge. Wir sind das einzige ausländische Touristenpaar, das die Fähre verlässt. Das griechische Pfingstfest steht vor der Tür, und so hatte ich vorsichtshalber doch noch eine Unterkunft vorgebucht, und das war gut so, denn es sollte auf Skyros voll werden. Die Wirtin vom Perigiali in Magaziá hat uns das Taxi organisiert, der Fahrer hat noch ein paar Pappkartons aus der Fähre gefischt, auf unsere Koffer per Spanngummi geschnallt und ab geht die Fahrt.

Es ist in erster Linie ein Bauchgefühl, ob mir eine Insel gefällt, die ich zum ersten Mal betrete, oder ob Zweifel aufkommen.

Bei Skyros ist das ganz klar: die Insel gefällt mir auf Anhieb. Schon bei der dreistündigen Busfahrt durch Euböa hatte ich Zweifel, ob ich die richtige Route für unsere Reise ausgesucht habe, nicht eine Haltestation lachte mich auf dieser Strecke an, auszusteigen.

Aber hier ist alles anders: eine hügelige Landschaft mit teilweise noch blühenden Wiesen liegt sanft im Abendlicht, von der einen Seite schimmert das Meer, während hoch oben am Berg der Hauptort mit seinen kykladisch wirkenden Häusern über allem thront.

 

 

Die knapp 10 Kilometer nach Magaziá sind für mich fast zu schnell durchrauscht und die Chefin erwartet uns bei hereinbrechender Dunkelheit in ihrer Pension. In einem schönen Garten gelegen finden wir ein ansprechendes Apartment – Ruhe pur. Doch was ist das?
Direkt nebenan wird gebaut! Doch nicht etwa…?

 

 

Doch, doch! 16 neue Apartments soll die Anlage bekommen,

in der nächsten Saison muss alles fertig sein. „Aber keine Sorge, Ihr seid unsere Gäste, solange wir Gäste haben, werden die Arbeiten gestoppt!“
Na dann Gute Nacht.

Pünktlich um halb acht am nächsten Morgen beginnt dann der Presslufthammer, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Dem außer uns noch anwesenden griechischen Paar mit ihrem Kind scheint das Geräusch beim Frühstück nicht zu stören. Die Familie ignoriert es ebenso wie unsere Anwesenheit. Da kommt bei mir doch wieder verstärkt die Frage nach der griechischen Mentalität hoch, anscheinend denkt der Grieche: was nicht sein soll wird einfach ignoriert.

Aber, was soll es. Morgen ist Freitag und der Ansturm der Athener Pfingsturlauber wird erwartet. Und richtig:

über die gesamten Feiertage soll die Arbeit auf der Baustelle ruhen.

Wir machen uns auf den Weg und erkunden erst einmal die Umgebung.
Mir scheint, wir haben den Standort gut gewählt.
 

 

 

Ein kilometerlanger Sandstrand, der bis zum Kap Pouriá reicht,
und der mich unwillkürlich an den Agia Anna Strand von Naxos erinnert, zeigt seine blaue Flagge und beherrscht die Szenerie. Daran liegen einige kleine Hotels, wenige Tavernen und Cafés, etliche Privatunterkünfte. 
 

 

 

Supermarkt – mit Brotverkauf -, Minimarkt für Getränke finden wir an der Hauptstraße nach Mólos, Keramik- und Künstlerateliers liegen versteckt in den Gassen. Wir machen es uns erst einmal in der Taverne Stefanos beim Wirt Costas mit einem Frappé gemütlich. Ja, hier lässt es sich aushalten, und diese Taverne werden wir sicher noch oft besuchen, bei diesem herrlichen Blick, direkt am Meer gelegen.

 

 

Ein Spaziergang den Strand entlang führt uns über Molos und dessen kleinen Hafen dann zum Kávos Pouriá. Der Wind wird heftiger, und die zur Taverne umgebaute Windmühle am Kap hat geschlossen, der Wind greift unter das Bambusdach der Terrasse, wirbelt es in die Höhe, der Wirt wird seine Freude haben, wenn er wiederkommt.

 

 

Da sind die drei Kapellen in der Gegend schon windsicherer gebaut.
Wir haben Glück, die Felsenkapelle Ágios Nikolaos ist sogar geöffnet.
Sie ist ein beliebtes Fotomotiv und auch der Blick von innen durch die Tür auf Skyros Stadt hat etwas.
 

 

 

 

 

Die äußere Form der Kirche ist schon bemerkenswert, offenbar war das gesamte Gelände früher ein Steinbruch, der Baumaterial für den Häuserbau hervorbrachte. Das weiche Gestein wurde als Quader aus dem Gelände gesägt oder gehauen, vielleicht ließ man den Felsen mit der Kirche aus Dank stehen. Auch in der näheren Umgebung fallen die quaderartigen Gesteinsformationen auf.
 

 

 

 

Der Rückweg führt uns durch die die Besiedelung von Molos, auch hier vorbei an noch üppigem Grün. Ein Schilderwald am Wegesrand lässt uns erahnen, was hier im Hochsommer los sein wird, doch Anfang Juni ist alles noch sehr ruhig.

Viele Sommerhäuser werden jetzt erst fit gemacht, das Level geht von edlen Behausungen mit dezent-grauen Toren bis zu quietschbunten Kykladenhäusern, Kinder spielen auf dem Weg, grüßen freundlich.

 

 

 

 

Am Abend sind wir im Stefanos fast die einzigen Gäste.
Der Wirt Costas verwöhnt uns mit etwas Käse (Saganaki), Wein und seinem unvergleichlichen Hühnchengericht,
wir lassen es uns gut gehen.

 

 

 

 

Morgen wollen wir zu Fuß hinauf nach Skyros-Stadt.
Der erste Tag auf Skyros, nicht schlecht, Herr Specht!






Skyros Chora