Lipari – Die Spuren der Griechen
April 2018



Es ist so, auch die italienische Insel Lipari nördlich von Sizilien war einmal eine griechische Insel. Das ist zwar schon lange her, dennoch sind die Spuren heute noch deutlich zu sehen, welche die Griechen hier hinterlassen haben. Ein Grund mehr, sich diese Insel einmal genauer anzuschauen. Nicht für einen Tagesausflug, dafür ist Lipari viel zu schade und zu schön, sondern für eine Woche. Und Tagesausflügler, die in Gruppen auch von Sizilien herüberkommen, sind so ziemlich der unattraktivste Anblick, den die Insel zu bieten hat. Auch wenn einzelne nur auf der Durchreise von den Nachbarinseln sind.


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Die Insel ist mit ihren 37,5 Quadratkilometern eher klein, etwa so groß wie Sikinos oder Folégandros, hat aber mit ihren 9500 Einwohnern eine mehr als zehnmal höhere Bevölkerungszahl, die sich hauptsächlich auf die drei Orte verteilt: Lipari als quirliges Städtchen, Canneto als Badeort, und Acquacalda als Ort für Ruhesuchende. An der Westküste sind die Orte Pianoconte, Varesana und Quattropani eher kleine Dörfer oder Streusiedlungen.
 
Kurz zur Geschichte: Bewohnt ist Lipari schon seit etwa dem fünften oder vierten Jahrtausend v. Chr..
Nachdem unbekannte Eroberer um etwa 850 v. Chr., und zusätzlich evtl. mehrere Erdbeben die Insel völlig verwüsteten, kamen erst um 580 v. Chr. die Griechen aus  Rhodos und Knidos (heute Türkei - gegenüber der Insel Kos) unter ihrem Anführer Pentathlos nach Lipari, während auf Sizilien schon seit Jahrhunderten griechische Kolonien existierten.
Die Griechen waren es auch, die den Stadtfelsen von Lipari als Burg und diverse Tempel anlegten, auf der antiken Akropolis, und somit das heute noch typische Stadtbild prägten.
Ein wenig erinnert die nachempfundene Ansicht aus dem „Museo Archeologico Regionale Eoliano Luigi Bernabeó Brea“ schon an die Akropolis in Athen. Die Gebäude des Museums verteilen sich heute neben der Cattedrale di San Bartolomeo auf dem Stadtfelsen von Lipari.



Ein kleiner Gang  durch die Gebäude des Museums „Età Greca e Romana“ zeigt die Hinterlassenschaften der Griechen. Sehr interessant sind die Malereien auf den Keramiken, die sich von den damals üblichen griechischen Vasen und Amphoren in ihrer Farbigkeit und Gestaltung deutlich unterscheiden, ein echter Lipari-Style.
Auch die ausgestellte Nekropolis und die steinernen Särge, die auf einem Gräberfeld auf und vor dem Stadtberg zu finden sind, faszinieren durch ihre Formgebung und den guten Zustand, sie laden fast heute noch gerade dazu ein, sich hineinzulegen, natürlich nicht für immer.


Und auf der Hauptgasse Corso Vittorio Emanuele Nr. 199 bieten Giovanni und Paolino Spada sehr schöne Repliken und Miniaturen von griechischen Theatermasken aus Ton an, die sie gefertigt haben, detailreich gearbeitet. Für uns ein schönes Mitbringsel. Die historischen Vorlagen sind im Museum zu besichtigen, wie Giovanni uns stolz erklärt, und meiner Meinung nach verkauft er seine Tonporträts viel zu billig.
Wie dem auch sei, nach einigen Seeschlachten und sonstigen Gemetzeln nahmen etwa um 251 v. Chr. die Römer den Burgberg ein, und die Hochzeit der Griechen war beendet.





Soweit zum Pflichtteil dieses Berichts, denn sonst hätte er auf dieser Website ja nichts zu suchen.
Vielleicht hatten wir Glück, im April ist noch nicht viel los auf Lipari, aber das Wetter ist gut, immer sonnig.

Wir genießen in unserer Villa Hermes am Rande des Monte Gallina den grandiosen Ausblick über die Akropolis, gönnen uns ein reichhaltiges homemade Frühstück, und lassen den Tag auf uns zukommen, denn die Anreise war ein wenig mühsam: Flug von Düsseldorf nach Catania, Privatbustransfer (Alibrando) nach Milazzo, und von hier weiter mit der LibertyLines-Fähre nach Lipari, alles an einem Tag jedoch gut zu schaffen, wenn man nicht die öffentlichen Busse benutzt, denn dann müsste man von Catania erst nach Messina und dort in den Bus nach Milazzo umsteigen, das kostet Zeit. Zwar liegt unsere Ferienwohnung – laut Beschreibung - nur einen Kilometer von Lipari-Stadt entfernt, aber das ist leider nur Luftlinie, ein äußerst steiler Fußweg führt zwar hinab in den Ort, der ist selbst für uns laufwütige in seiner Steilheit nicht zu schaffen. Also muss ein Mietfahrzeug her, mit dem wir auf der Straße in immerhin fünf Kilometern die alte Caldera umrunden um in den Ort hinab zu kommen.



Nun ist erst einmal ein Streifzug durch Lipari-Stadt angesagt, durch  die Hauptgasse Corso Vittorio Emanuele, die verwinkelten Nebengassen und abends  zum  zweiten Hafen neben der Burg, der Marina Corta.
Hier spielt sich das richtige Leben ab, die alten Männer lassen ihre Fischerboote zu Wasser, die Kinder spielen auf dem Platz, und die Wirte in den Lokalen warten wie die Spinnen im Netz auf die Touristen. Genauso, wie man sich Italien vorstellt.




An jeder Ecke steht ein Fischverkäufer mit seinem Verkaufswagen, der Fisch ist frisch, wenn man ihn denn bekommt, ab Mittag sind die Händler leergekauft und lassen sich gern fotografieren.





Ein wenig spüren wir auch hier die Finanzkrise, denn in der Woche sind alle Lokale ausschließlich von den Touristen besucht, nur an den Wochenenden und Feiertagen wird es schwierig, einen Tisch in den angesagten Restaurants zu bekommen. Denn dann strömen die Familien aus, mit Kind und Kegel, die Szene brummt. Da ist man als Tourist eher in der Minderheit, aber dennoch gern gesehen.
Frischen Fisch gibt es reichlich, perfekt gegrillten Tuna, viel garniert mit den heimischen Kapern, leckere Schwertfisch-Involtini, natürlich Pizza Pasta, frische Fenchel, perfektes Mandel-Semifredo mit Schokoladensauce und natürlich die sizilianischen Canolli.



Eine kleine Wanderung zum Strand hinunter durch das Valle Muria wird die Kalorien wieder verbrennen -  ein wunderbarer Weg durch üppige Vegetation mit herrlichen Aussichten, sehr zu empfehlen.



Die Inselumrundung machen wir dann doch lieber am nächsten Tag mit dem Mietauto.


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