Athen - Rendevous mit Karagiozis

Juni 2018


Heute kam Onkel Giorgos mal wieder aus den Bergen, um seinem Neffen Karagiozis und dessen drei Söhnen zu helfen. Diese hatten mal wieder versucht, den Wesir übers Ohr zu hauen und mussten sich daher mit der Leibgarde des Wesirs rumschlagen. Es kam zu einer wilden Rauferei, aber am Ende waren Onkel Giorgos und Karagiozis doch die Sieger.

 

So oder ähnlich könnte ein Stück ablaufen, das im Schattentheater Figoures kai Koukles in der Plaka von Athen aufgeführt wird. Daran muss ich denken, während wir die Odos Tripodon entlanggehen und das Theatro Skion mit der Hausnummer 30 entdecken. Karagiozis und Barba Giorgos werden uns heute noch einmal über den Weg laufen. Aber der Reihe nach.



Die Sonne hatte uns im Stich gelassen, als wir auf der Blue Star Delos von Paros kommend in Richtung Athen fahren. Heftiger Regen prasselt auf das Deck, aber nun in Piräus ist es zum Glück wieder trocken, während dunkle Wolken über der Stadt hängen. Viel haben wir uns für unseren letzten Reisenachmittag nicht vorgenommen. Ganz in der Nähe unseres Hotels bestaunen wir die restaurierte Mitropolis-Katherale Mariä Verkündigung, und daneben die kleine byzantinische Kirche Agios Eleftherios, die wir noch nie ohne Gerüst gesehen haben. Endlich sind die Arbeiten abgeschlossen.


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Wir schlendern von der Mitropoleos Straße kommend in die Nikis Richtung Plaka und nähern uns so einmal von der anderen Seite der Altstadt. Schon in der Nikis passieren wir hübsche Geschäfte und Tavernen, wie das Palia Athina oder dann in der Kidathineon den alten Buch- und Kartenladen und die Taverne I Saita, aber für das Abendessen ist es noch zu früh. Natürlich darf auch ein Besuch im Brettos nicht fehlen, und unseren Süßigkeitsbedarf befriedigen wir wie immer im Evonon an der Adrianou. So ein Urlaubsabschluss in Athen ist halt auch immer für einen kleinen Einkauf gut.


Unwillkürlich nähern wir uns über die Adrianou dem Monastiraki Platz, die Wolken werden immer dunkler, der Regenschirm ist schon gezückt. Trotzdem wagen wir eine Fahrt mit dem Aufzug zur Dachterrasse des „A for Athens“, mit der wir sonst immer nur von unten geliebäugelt hatten. Und ich muss sagen, manchmal können dunkle Wolken auch interessant, ja sogar dramatisch wirken. Es muss nicht immer der wolkenlose Kykladenhimmel für ein spannendes Foto sein. Wir erleben den Monastiraki Platz endlich einmal von einer völlig anderen Perspektive und leisten uns ein kleines spanisches Bierchen für schlappe sieben Euro. Tja, gute Aussichten kriegt man eben nicht geschenkt!  



Essen wollen wir jedoch hier oben nicht, das ist wohl nicht unsere Preisklasse. Also folgen wir heute einem Tipp von Klaus Bötig, den ich auf seiner Website gefunden hatte, und suchen in der Tripodon 14 das Scholarchio auf, eine traditionelle Familientaverne der besonderen Art.  http://www.scholarhio.gr/  Hier kommt der Kellner mit einem Tablett mit bis zu zwanzig Speisen an den Tisch, man kann bei einem Menü  für zwei Personen, das dreißig Euro kostet, fünf Tellergerichte auswählen und erhält dazu noch ein Getränk, Brot, Wasser und ein Dessert. Sehr schmackhaft, preiswert, urig und gemütlich.


Unser Rückweg zum Hotel führt uns an der Odos Kodrou 3 vorbei, zu einem Laden für allerlei Krimskrams und alte Möbel, der offenbar einen Bezug zur Kykladeninsel Amorgos hat, und auch zu den alten Schattenspielpuppen von dort. Auf Amorgos hatten wir damals die erste Begegnung mit den alten scherenschnittartigen Figuren des  Kostas Gerakis, dessen Sohn Michalis diese an den Wände seines Cafés To Steki (heute „Jazzmin“) hängen hatte. Schon damals hatten mich die alten mit Pergament bespannten Charaktere interessiert. Und genau diese Figuren – als Nachbildungen handbemalt aus Holz – entworfen von dem bekannten Puppenspieler und Volksmaler Spyros Kouzaros, der 1992 leider verstarb, und dessen Sohn in die Fußstapfen des Vaters getreten ist und die Figuren weiter fertigt. Da konnte ich nicht umhin, die beiden Hauptprotagonisten Karagiozis und Barba Giannis mit nach Hause zu nehmen, ein schönes Rendevous.


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Zu Hause erinnern mich die beiden Burschen oft an Athen und Amorgos.
Und vielleicht sehen wir uns ja auch einmal lebendig im

Theatro Skion wieder.


Wie diese alte Technik funktioniert, zeigt ein kleines Video mit Barba Giorgos.


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